Wir leben in einer permanenten Angst

Soeben erreichte uns ein Brief aus Damaskus von unserem Freund Pater Georges. Er berichtet von der aktuellen Lage in Syrien und seiner Pfarrei. Hier einige Auszüge davon...

Pater Georges wird übrigens auf der Fisherman-Stage beim Adoray Festival in Zug mit dabei sein.

Situation in Syrien

Wir Christen verurteilen in aller Schärfe jegliche Agression. Dies muß aber für beide Seiten gelten. In Damaskus-Joubar erlebten wir, wie Regierungsgegner Läden demolierten und Menschen bedrohten, die sich nicht der Demonstration anschließen wollten. In Homs wurden öffentliche Gebäude verwüstet. In Maaloula erlebten die Christen die schlimmste Tragödie, die die Christen antraf: Kirchen, Klöster, Häuser der Christen wurden niedergebrannt, Kreuze und Statuen verhöhnt, demontiert und zerstört, Ikonen und Glocken gestohlen, Evangeliare und Gebetesbücher am Boden zertreten, und alle Güter geplündert. Die Menschen wurden auch wegen ihres christlichen Glaubens martyrisiert oder entführt, wo die Entführten bis jetzt nicht entlaßen sind und deren Schicksal noch nich bekannt ist. In Yabroud mußten die Christen ihre Gotteshäuser unter Brand sehen, sie fliehten eine Zeitlang aus ihrer Stadt, und als sie jetzt zurück kamen, sahen sie Plünderung und Zerstörung, wenn es auch weniger drammatisch ist, als in Maaloula.

Die Konflikte in Syrien sind regional und lokal sehr unterschiedlich. Wo die Extremisten herrschen, haben sie auch ihre Regeln gelten lassen: Islamische Schulen und die Trennung von Mädchen und Jungen im Bildungswesen. Kirchen in Raqqa umgewandelt in Beamtengebäuden und Büros solcher Gruppierungen. In Homs mußte der Pater Franz van der Locht SJ seine Friedfertigkeit mit dem Leben bezahlen. In Damaskus reicht die Ausprägung der oppositionellen Bewegung von zivilisierten, intellektuellen Debatten bis hin zu chaotischen gewaltsamen Unruhen mit sozialen und extremistischen Prägungen. Von einem Volksaufstand zu sprechen, wäre falsch: Es handelt sich um Viele, mit unterschiedlichen Motiven.

Große Teile der Opposition sind nicht organisiert. Es gibt viele kleine Gruppen, auch religiöse Extremisten, die zum Jihad aufrufen, Kirchen zerstören, den IS (Islamischer Staat) verbreiten. Sie mißbrauchen die aktuelle Situation, schüren Hass und Gewalt zwischen den Religionen und nutzen dabei Geld und Waffen, die sie geraubt haben, um Angst und Zittern zu bewirken.

Situation in der Pfarrei St. Cyrill

Am Sonntag dem 31. August 2014 während der Abendmesse, gegen 19.00 Uhr, als der Zelebrant am Ende der Messe den Schlußsegen gab, platzte ein Mörser etwa 15 Meter von der Kirchentür mit einem großen Krach. Die Betenden waren noch in der Kirche. Wären sie hinaus gegangen, hätte es ein großes Massaker gegeben! Gott hat uns nochmals seine große Barmherzigkeit kundgetan! Viele Autos waren davon getroffen, der Schaden an Blech und Fensterscheiben war gross.

Zum Schluß gilt unser Dank unseren Freunden in Europa, Deutschland, Schweiz und Wohltätern der Hilfsorganisationen: vergelt´s Gott.
Wir leben in einer permanenten Angst. Man hört Schüsse, hört Bomben detonieren. Doch wir versuchen, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten. Die Menschen gehen zur Arbeit, gehen einkaufen, treffen sich. Es ist wichtig, dass wir uns ein Stück Alltäglichkeit bewahren.
Der Wunsch nach Freiheit und Demokratie bleibt. Aber auch und ganz besonders der Wunsch nach dem Frieden ist ungebrochen. Wir müssen einen Ausweg für unser Land finden, der uns den Frieden bringt, das kann nur durch Dialog gelingen. Daß dieser Weg immer schwieriger wird... Doch ohne ihn geht es nicht.

Pater Georges