Barmherzigkeit #44

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Wir widmen die heutige Katechese einem Werk der Barmherzigkeit, das wir alle sehr gut kennen, das wir jedoch vielleicht nicht so in die Tat umsetzen, wie wir es sollten: die Lästigen geduldig ertragen. Wir sind alle sehr gut darin zu erkennen, wenn jemand uns lästig ist: Das geschieht, wenn wir jemandem auf der Straße begegnen oder wenn wir einen Telefonanruf bekommen… Sofort denken wir: »Wie lange muss ich mir die Klagen, das Geschwätz, die Bitten oder die Prahlerei dieser Person noch anhören?«

Manchmal sind die lästigen Menschen auch jene, die uns am nächsten stehen: Unter den Verwandten gibt es immer jemanden; am Arbeitsplatz fehlt es nicht an ihnen; und nicht einmal in der Freizeit sind wir vor ihnen sicher. Was sollen wir mit lästigen Menschen tun? Aber auch wir sind anderen oft lästig. Warum wurde auch dies unter die Werke der Barmherzigkeit aufgenommen: Die Lästigen geduldig ertragen? In der Bibel sehen wir, dass Gott selbst Barmherzigkeit üben muss, um die Klagen seines Volkes zu ertragen. Zum Beispiel erweist sich das Volk im Buch Exodus als wirklich unerträglich: Erst stöhnt es über die Knechtschaft in Ägypten, und Gott befreit es; dann murrt es in der Wüste, weil es nichts zu essen gibt (vgl. 16,3), und Gott sendet Wachteln und Manna (vgl. 16,13-16), aber trotzdem hören die Klagen nicht auf. Mose trat als Mittler zwischen Gott und dem Volk auf, und auch er wird dem Herrn manchmal lästig gewesen sein. Aber Gott hatte Geduld, und so hat er Mose und das Volk auch diese wesentliche Dimension des Glaubens gelehrt. Es ergibt sich daher eine erste Frage: Machen wir jemals eine Gewissenserforschung, um zu sehen, ob auch wir den anderen vielleicht manchmal lästig sind? Es ist leicht, mit dem Finger auf die Verfehlungen und Mängel anderer zu zeigen, aber wir müssen lernen, uns in die anderen hineinzuversetzen.

Schauen wir vor allem auf Jesus: Wie viel Geduld musste er in den drei Jahren seines öffentlichen Wirkens haben! Als er einmal mit den Jüngern unterwegs war, wurde er von der Mutter des Jakobus und des Johannes aufgehalten, die zu ihm sagte: »Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen« (Mt 20,21). Die Mutter trat als Lobbyistin für ihre Söhne auf, aber sie war die Mutter… Auch diese Situation nutzt Jesus, um etwas Grundlegendes zu lehren: Sein Reich ist kein Reich der Macht, es ist kein Reich der Herrlichkeit wie die irdischen Reiche, sondern ein Reich des Dienens und der Hingabe an die anderen. Jesus lehrt, stets auf das Wesentliche zu schauen und weiter zu blicken, um die eigene Sendung verantwortungsbewusst anzunehmen.

Wir können hier einen Verweis auf weitere zwei geistliche Werke der Barmherzigkeit erkennen: »die Sünder zurechtweisen« und »die Unwissenden lehren«. Denken wir an die große Mühe, die man aufwenden kann, wenn wir Menschen helfen, im Glauben und im Leben zu wachsen. Ich denke zum Beispiel an die Katecheten – unter denen es viele Mütter und viele Ordensfrauen gibt –, die Zeit aufwenden, um den Kindern die Grundelemente des Glaubens beizubringen. Wie mühevoll ist das, vor allem wenn die Kinder lieber spielen würden als den Katechismus zu hören! Andere bei der Suche nach dem Wesentlichen zu begleiten ist schön und wichtig, denn es lässt uns die Freude, den Sinn des Lebens zu genießen, miteinander teilen. Oft begegnen wir Menschen, die sich mit oberflächlichen, nebensächlichen und banalen Dingen aufhalten; manchmal deshalb, weil sie niemandem begegnet sind, der sie angespornt hat, nach etwas anderem zu suchen, die wahren Güter wertzuschätzen.

Zu lehren, auf das Wesentliche zu blicken, ist eine maßgebliche Hilfe – besonders in einer Zeit wie der unseren, die die Orientierung verloren zu haben und kurzlebigen Freuden nachzulaufen scheint. Andere zu lehren, das zu entdecken, was der Herr von uns will und wie wir dem entsprechen können, bedeutet, sich auf den Weg zu machen, um in der eigenen Berufung zu wachsen, den Weg der wahren Freude. So zeigen die Worte Jesu an die Mutter des Jakobus und des Johannes und dann an die ganze Gruppe der Jünger, wie man es vermeiden kann, in Neid, Ehrgeiz, Schmeichelei zu verfallen: Versuchungen, die auch unter uns Christen stets lauern. Die Notwendigkeit, Ratschläge zu geben, zu ermahnen und zu lehren, darf uns nicht das Gefühl geben, den anderen überlegen zu sein, sondern es verpflichtet uns vor allem, in uns selbst zu gehen, um zu überprüfen, ob wir konsequent sind mit dem, was wir von den anderen verlangen. Vergessen wir nicht die Worte Jesu: »Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?« (Lk 6,41). Der Heilige Geist möge uns helfen, andere geduldig zu ertragen und Ratschläge in Demut und Einfachheit zu erteilen.

Quelle: vatican.va (14.12.2016)

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