Worte zu Weihnachten

"Selig die arm sind vor Gott". Das Weltjugendtagsmotto von 2014 stellt die Frage nach Reichtum und Armut. Was heisst das konkret? Will Gott, dass wir nichts besitzen dürfen? Dürfen wir uns keine Geschenke machen?

Weihbischof Marian Eleganti, der Jugendbischof für die deutsch-, rätoromanisch- und italienischsprechende Schweiz, spricht eine Weihnachtsbotschaft an alle jungen Menschen.

Die Weihnachtsbotschaft im Wortlaut

Liebe Jugendliche

Das Weltjugendtagsmotto für 2014 lautet: „Selig die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Was bedeutet das für uns, arm sein vor Gott? Müssen wir arm werden? Dürfen wir nichts mehr besitzen? Hindern uns die Güter, die wir besitzen, auf dem Weg zu Gott? Dürfen wir uns nichts schenken, weil wir uns vielleicht zu sehr in die schönen Dinge dieser Welt verlieben?

Ich glaube, es geht hier um etwas Tieferes. Brigitta von Schweden sagt, dass die irdischen Güter dich nicht hindern können, wenn du sie mit Vernunft besitzest und wenn nicht das Begehren falsch gerichtet ist. Es geht also darum, die Dinge so zu gebrauchen, dass sie Gott verherrlichen, dass sie uns helfen, den Willen Gottes zu tun und seinen Plänen und seinem Reich zu dienen. In diesem Sinn hätte der reiche Jüngling besser seinen Reichtum gelassen, um ganz offen und verfügbar zu werden für die Freundschaft Jesu, und um ihm nachzufolgen. Ein Anderer wiederum, der heilige Josef von Arimathäa, war ein begüteter Mann, ein Vornehmer und hatte für sich ein teures und sehr schönes Grab vorbereitet. Er konnte sich Zugang zu Pilatus verschaffen, weil er ein Vornehmer war. So schenkt er Jesus sein Grab, um dem Sohn Gottes, der eine solche Schmach erlitten hat, würdig und ehrenhaft zu bestatten. Da hat der Reichtum den Plänen Gottes gedient.

Bald so, bald so; es geht also darum, wie die Dinge zu Gott stehen. So gut oder so schlecht, so förderlich oder so hinderlich sind sie. In diesem Sinn müssen wir arm werden vor Gott, damit wir ganz offen sind und der Heilige Geist in uns sein Werk vollbringen kann. Dann sehen wir in seinem Licht, wie die Dinge zu Gott stehen und wie wir sie gebrauchen, benutzen, oder auch wieder lassen und dahingeben sollen.